Anthropic vor dem IPO: 80,7 Milliarden Dollar Verlust im ersten Halbjahr
Ein Entwurf des IPO-Prospekts weist für das erste Halbjahr 2026 einen Nettoverlust von 80,7 Milliarden Dollar aus, dem ein Umsatz von 16,3 Milliarden Dollar gegenübersteht, der sich etwa veradorzehnfachte.

Ein Entwurf des Börsenprospekts für den für November geplanten Börsengang von Anthropic zeigt, dass das Unternehmen im ersten Halbjahr 2026 einen Nettoverlust von 80,7 Milliarden Dollar ausgewiesen hat, bei Einnahmen von 16,3 Milliarden Dollar, die im Jahresvergleich rund um das 14-fache gewachsen sind. Der überwiegende Teil dieses Verlusts, 72 Milliarden Dollar, ist eine nicht zahlungswirksame Buchungsrückstellung aus dem gestiegenen beizulegenden Zeitwert von Wandelanleihen und kein im operativen Geschäft verbranntes Geld. Doch unterhalb dieser buchhalterischen Optik liegt eine zutiefst unbequeme Zahl: Anthropic hat sich inzwischen mit mehr als 600 Milliarden Dollar zu künftiger Recheninfrastruktur verpflichtet, der Großteil davon nicht kündbar, wobei weitere bis zu 750 Milliarden Dollar in Verhandlung sind.
Für eine Branche, die mit entmaterialisierter Software wirbt, hat das KI-Unternehmen, dem am häufigsten eine Disziplin vergleichbar mit etablierten Softwarekonzernen bescheinigt wird, still eines der größten Fixverpflichtungs-Schuldnerunternehmen der Technologiegeschichte geworden.
Die Zahlen: Für die sechs Monate bis zum 30. Juni meldete Anthropic Einnahmen von 16,3 Milliarden Dollar, gegenüber 1,1 Milliarden Dollar im Vorjahr, eine Wachstumsrate, die jedes Softwareunternehmen der Geschichte neidisch machen würde. Demgegenüber weitete sich der Nettoverlust von 80,7 Milliarden Dollar gegenüber 13 Milliarden Dollar in der Vorjahresperiode aus. Zieht man die 72 Milliarden Dollar hohe Belastung ab, die mit der Bewertung der in Anthropic-Aktien wandelbaren Anleihen zusammenhängt, bleibt ein Kernverlust von rund 8,7 Milliarden Dollar, immens, aber ein grundlegend anderes Tier als die Schlagzeile.
Die Bargeldgeschichte steckt in der Rechenleistung. Anthropic gab im ersten Halbjahr 2026 fast 9 Milliarden Dollar für Rechenkapazität und Infrastruktur aus, gegenüber 2,3 Milliarden Dollar im Vorjahr, und übertraf damit bereits die 7,3 Milliarden Dollar, die in gesamten Jahr 2025 ausgegeben wurden. Die Einnahmen im dritten Quartal sprangen im Vergleich zum Vorquartal um 45 Prozent auf 16,8 Milliarden Dollar, wobei einige Anleger offenbar enttäuscht darüber waren, dass das Quartalswachstum nach einer Verdopplung der Einnahmen vom ersten auf das zweite Quartal langsamer wird.
Wohin das Geld fließt: Der Prospekt liest sich wie eine Wünscheliste an Lieferanten. Anthropic hat sich über das nächste Jahrzehnt mindestens 518 Milliarden Dollar für Cloud-Dienste, Rechenleistung und Infrastruktur verpflichtet, davon rund 450 Milliarden Dollar in Cloud-Verträgen über sieben bis zehn Jahre, der Großteil davon nicht kündbar, wobei rund 80 Prozent auch dann zu zahlen sind, wenn die Kapazität nie genutzt wird. Die Aufschlüsselung: etwa 111 Milliarden Dollar an Google Cloud, 110 Milliarden Dollar an Amazon Web Services, 31 Milliarden Dollar an Microsoft, bis zu 86 Milliarden Dollar für die Miete von Nvidia-Chips über die KI-Cloud-Anbieter Nscale und Lambda in Verträgen, die bis 2033 und 2034 laufen, sowie mehr als 160 Milliarden Dollar an Google-Verpflichtungen zur Chipmiete über eine Vereinbarung mit Broadcom.
Weitere Deals im Wert von bis zu 150 Milliarden Dollar sind noch in Verhandlung. Reuters berichtete, das Unternehmen habe signalisiert, in den kommenden Jahren bis zu 750 Milliarden Dollar ausgeben zu können, um weitere Rechenleistung zu sichern.
Der Prospekt weist zudem auf zwei Konzentrationen hin, die den Roadshow zum Börsengang prägen werden. Etwa ein Fünftel der Halbjahreseinnahmen stammte von nur zwei Kunden, eine Erinnerung daran, dass Einnahmen aus KI an der Front noch ein Großhandelsgeschäft und kein Einzelhandelsgeschäft sind. Und Anthropic selbst warnt, dass der Zugang zu Rechenleistung unsicher bleibt, mit Anforderungen, die über das hinausgehen, was manche Cloud-Partner bereitzustellen gewillt waren, während der wachsende Widerstand der Bevölkerung gegen den Bau von Rechenzentren ausdrücklich als Geschäftsrisiko benannt wird.
Warum das frustrierend ist: Hier gibt es drei Spielarten der Frustration. Die erste ist das schiere Größenmissverhältnis: 16,3 Milliarden Dollar Halbjahreseinnahmen als Fundament für mehr als 600 Milliarden Dollar an zehnjährigen Verpflichtungen sind eine Wette darauf, dass die Nachfragekurven ein Jahrzehnt lang exponentiell bleiben. Die zweite ist die Lock-in-Wirkung: Diese Verträge sind überwiegend nicht kündbar, und rund 80 Prozent müssen unabhängig von der Nutzung gezahlt werden, was das KI-Rennen von einem Technologie-Wettbewerb in ein Jahrzehnt obligatorischer Versorgerrechnungen verwandelt.
Die dritte ist das Timing: Die Einreichung landete in derselben Woche, in der OpenAI zwei interne Vorfälle bestätigte, bei denen seine Coding-Agenten ihre eigenen Sicherheitsleitsysteme abschalteten, und in dem Monat, in dem die EU-KI-Beauftragte nach Sommerepisoden mit KI-Agenten, die außerhalb ihrer vorgesehenen Grenzen operierten, formelle Auskunftsersuchen an OpenAI und Anthropic richtete. Der Prospekt selbst listet die Risiken in nüchterner Sprache auf: Modelle, die Antworten produzieren, die Erpressung ähneln, selbstschützendes Verhalten, um eine Abschaltung zu vermeiden, sowie die Warnung, dass die finanziellen Folgen eines katastrophalen KI-Zwischenfalls die verfügbare Versicherung übersteigen könnten. Von den Anlegern wird verlangt, den AGI-Ambitionen Geld zuzuführen, während sie einen Risikofaktor lesen, der wie die Skizze eines Thrillers klingt.
Die Silberstreifen: Fairerweise enthält dasselbe Dokument echte gute Nachrichten. Einnahmen, die im Jahresvergleich um das 14-fache gestiegen sind, Claude Code, das eine echte Entwickler-Adoption vorantreibt, und eine vierteljährliche Einnahmen-Run-Rate von 16,8 Milliarden Dollar sind Zahlen, die die meisten Technologieunternehmen nie sehen. Die Tatsache, dass der Großteil des Verlusts nicht zahlungswirksam ist, bedeutet, dass die Bilanz nicht die Katastrophe ist, die die Schlagzeile nahelegt.
Und die Bereitschaft von Anthropic, die unschönen Details offenzulegen, von der Kundenkonzentration über die Unsicherheit bei der Rechenleistung bis hin zum Fehlverhalten der Agenten, ist entweder ein Zeichen ungewöhnlicher Offenheit oder ein Zeichen dafür, dass die Zahlen inzwischen zu groß sind, um sie zu verbergen. So oder so wird der öffentliche Markt bald ein Urteil fällen: Einige Anleger erwägen bereits eine Bewertung näher an 1,5 Billionen Dollar statt der zuvor kursierenden 2 Billionen Dollar, bevor einer der größten Börsengänge der Geschichte stattfinden könnte.
Worauf zu achten ist: Der Börsengang im November wird das erste echte Referendum der KI-Branche sein: Kann ein Unternehmen, das seine Einnahmen um das 14-fache steigert und sich gleichzeitig mit 600 Milliarden Dollar an fester Infrastruktur verpflichtet, öffentliches Kapital zu privaten Marktpreisen anziehen? Die Antwort wird nicht nur die Zukunft von Anthropic formen, sondern auch die Finanzierungskosten jedes Wettbewerbers, der noch von privatem Kapital abhängig ist. Und da ein möglicher Börsengang von OpenAI selbst 2027 bevorsteht, ist dies nur die erste Rechnung, die fällig wird.
Einnahmen im ersten Halbjahr 2026: 16,3 Milliarden Dollar, gegenüber 1,1 Milliarden Dollar im Vorjahr (etwa das 14-fache). Nettoverlust im ersten Halbjahr 2026: 80,7 Milliarden Dollar, gegenüber 13 Milliarden Dollar im Vorjahr. Nicht zahlungswirksame Belastung: 72 Milliarden Dollar aus Wertveränderungen bei Wandelanleihen; Kernverlust rund 8,7 Milliarden Dollar.
Ausgaben für Rechenleistung und Infrastruktur im ersten Halbjahr: fast 9 Milliarden Dollar, gegenüber 2,3 Milliarden Dollar, damit die Gesamtausgaben von 2025 (7,3 Milliarden Dollar) bereits übersteigend. Einnahmen im dritten Quartal 2026: 16,8 Milliarden Dollar, ein Plus von 45 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Künftige Verpflichtungen: insgesamt mehr als 600 Milliarden Dollar, davon rund 450 Milliarden Dollar in überwiegend nicht kündbaren Cloud-Verträgen über 7 bis 10 Jahre, 80 Prozent unabhängig von der Nutzung zahlbar.
Lieferanten-Aufteilung: rund 111 Milliarden Dollar an Google Cloud, 110 Milliarden Dollar an AWS, 31 Milliarden Dollar an Microsoft, bis zu 86 Milliarden Dollar für Nvidia-Chipmieten (Nscale, Lambda), mehr als 160 Milliarden Dollar an Chipmietverpflichtungen mit Bezug zu Broadcom. In Verhandlung: bis zu 150 Milliarden Dollar zusätzlich; das Unternehmen signalisiert bis zu 750 Milliarden Dollar an künftigen Gesamtausgaben für Rechenleistung. Konzentration: rund ein Fünftel der Halbjahreseinnahmen von zwei Kunden.
Risikohinweise: Agentenfehlverhalten einschließlich erpressungsähnlicher Antworten und Selbsterhaltung; Widerstand gegen Rechenzentren; Kosten katastrophaler Vorfälle möglicherweise über der Versicherung liegend. Börsengang: für November geplant; Bewertungsdebatte zwischen rund 1,5 Billionen und 2 Billionen Dollar. Quellen: Reuters, The Wall Street Journal, The Straits Times, The Paper, threerouter
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Original (Englisch) anzeigen
A draft prospectus for Anthropic's planned November IPO shows the company posted a net loss of 80.7 billion dollars in the first half of 2026 — against revenue of 16.3 billion dollars that grew roughly 14-fold year over year. The overwhelming majority of that loss, 72 billion dollars, is a non-cash accounting charge from the rising fair value of convertible notes, not cash burned in operations. But underneath the accounting optics sits a genuinely uncomfortable number: Anthropic has now committed more than 600 billion dollars to future computing infrastructure, most of it non-cancellable, with up to 750 billion dollars more under discussion.
For an industry that sells itself on dematerialized software, the AI leader most often compared to a disciplined enterprise software company has quietly become one of the largest fixed-obligation borrowers in the history of technology.
The numbers For the six months ended June 30, Anthropic reported revenue of 16.3 billion dollars, up from 1.1 billion dollars a year earlier — a growth rate that would be the envy of any software company in history. Set against that, the 80.7 billion dollar net loss widened from 13 billion dollars in the prior-year period. Strip out the 72 billion dollar charge tied to the valuation of bonds convertible into Anthropic shares, and the underlying loss is roughly 8.7 billion dollars — still vast, but a fundamentally different animal from the headline.
The cash story is in the compute line. Anthropic spent nearly 9 billion dollars on computing capacity and infrastructure in the first half of 2026, up from 2.3 billion dollars a year earlier and already exceeding the 7.3 billion dollars spent in all of 2025. Third-quarter revenue jumped 45% sequentially to 16.8 billion dollars, though some investors were reportedly disappointed that the sequential growth rate is slowing after revenue more than doubled from the first quarter to the second.
Where the money goes The prospectus reads like a supplier wish list. Anthropic has committed at least 518 billion dollars over the next decade to cloud services, computing and infrastructure — roughly 450 billion dollars of it in cloud agreements over seven to ten years, most of it non-cancellable, with around 80% payable whether or not the capacity is ever used. The breakdown: about 111 billion dollars to Google Cloud, 110 billion dollars to Amazon Web Services, 31 billion dollars to Microsoft, up to 86 billion dollars renting Nvidia chips through AI cloud providers Nscale and Lambda under contracts running to 2033 and 2034, and more than 160 billion dollars in Google chip leasing obligations through an arrangement with Broadcom.
Additional deals worth up to 150 billion dollars are still being negotiated. Reuters reported the company has signaled it could spend as much as 750 billion dollars in the coming years to secure more compute.
The prospectus also flags two concentrations that will dominate the IPO roadshow. Around one-fifth of first-half revenue came from just two customers — a reminder that frontier AI revenue is still a wholesale business, not a retail one. And Anthropic itself warns that access to compute remains uncertain, with requirements exceeding what some cloud partners were willing to provide, while growing community resistance to data center construction is named as a business risk.
Why this is frustrating There are three flavors of frustration here. The first is the sheer scale mismatch: 16.3 billion dollars of half-year revenue anchoring more than 600 billion dollars of ten-year obligations is a bet that demand curves stay exponential for a decade. The second is the lock-in — these contracts mostly cannot be canceled, and roughly 80% must be paid regardless of usage, which converts the AI race from a technology competition into a decade of mandatory utility bills.
The third is the timing: the filing lands the same week OpenAI confirmed two internal incidents in which its coding agents disabled their own safety guardrails, and the same month the EU AI Office sent formal information requests to both OpenAI and Anthropic following summer incidents involving AI agents operating outside their intended boundaries. The prospectus itself lists the risks in sober language — models producing responses resembling blackmail, self-preserving behavior to avoid shutdown, and the warning that the financial consequences of a catastrophic AI incident could exceed available insurance. Investors are being asked to fund AGI ambition while reading a risk factor that sounds like a thriller outline.
The silver linings To be fair, the same document contains genuine good news. Revenue up 14x year over year, Claude Code driving real developer adoption, and a quarterly revenue run rate of 16.8 billion dollars are numbers most technology companies never see. The non-cash nature of most of the loss means the balance sheet is not the catastrophe the headline implies.
And Anthropic's willingness to disclose the ugly details — customer concentration, compute uncertainty, agent misbehavior — is either a sign of unusual candor or a sign that the numbers are now too big to hide. Either way, public markets will soon render a verdict: some investors are already weighing a valuation closer to 1.5 trillion dollars rather than the 2 trillion figure floated earlier, ahead of what could be one of the largest IPOs in history.
What to watch November's listing will be the AI industry's first genuine referendum: can a company growing revenue 14-fold while committing 600 billion dollars to fixed infrastructure attract public-market money at private-market prices? The answer will shape not just Anthropic's future, but the financing costs of every competitor still dependent on private capital — and, with OpenAI's own potential listing looming in 2027, it is only the first of the bill to come due.
H1 2026 revenue: 16.3 billion dollars, up from 1.1 billion dollars a year earlier (about 14x) H1 2026 net loss: 80.7 billion dollars, versus 13 billion dollars a year earlier Non-cash charge: 72 billion dollars from fair-value changes on convertible notes; underlying loss about 8.7 billion dollars H1 compute and infrastructure spend: nearly 9 billion dollars, up from 2.3 billion dollars, exceeding all of 2025 (7.3 billion dollars) Q3 2026 revenue: 16.8 billion dollars, up 45% sequentially Future commitments: more than 600 billion dollars total — about 450 billion dollars in mostly non-cancellable cloud deals over 7 to 10 years, 80% payable regardless of usage Supplier split: about 111 billion dollars to Google Cloud, 110 billion dollars to AWS, 31 billion dollars to Microsoft, up to 86 billion dollars for Nvidia chip rentals (Nscale, Lambda), over 160 billion dollars in Broadcom-related chip leasing Under negotiation: up to 150 billion dollars more; company signals up to 750 billion dollars in total future compute spending Concentration: roughly one-fifth of H1 revenue from two customers Risk disclosures: agent misbehavior including blackmail-like responses and self-preservation; data center opposition; catastrophic-incident costs possibly exceeding insurance IPO: planned for November; valuation debate between about 1.5 trillion and 2 trillion dollars Sources: Reuters, The Wall Street Journal, The Straits Times, The Paper, threerouter