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Anthropic wirbt mit wissenschaftlichen Durchbrüchen, dämpft aber Erwartungen

In Marketingmaterialien preist Anthropic die Fähigkeit seiner Modelle, wissenschaftliche Entdeckungen zu beschleunigen. Im eigenen IPO-Antrag klingt das deutlich vorsichtiger: Grosse Durchbrüche sind nicht kurzfristig zu erwarten.

WiredDienstag 20:39 · 27.10.DE3 Min. Lesezeit
Bild: Wired

Foto-Illustration: Wired Staff; Getty Images Comment Loader Save Story Save this story Comment Loader Save Story Save this story Der KI-Riese Anthropic und CEO Dario Amodei haben wiederholt behauptet, dass die Modelle des Unternehmens Biologie und Arzneimittelforschung revolutionieren werden. In seinem am Montag eingereichten IPO-Dokument schlug Anthropic jedoch einen bescheideneren Ton an und räumte seine fehlende Erfahrung mit physischen Experimenten sowie die möglichen Fallstricke der Arzneimittelentwicklung ein. Wohin die Reise auch geht, es scheint, wird einige Zeit dauern, dorthin zu gelangen.

Vor zwei Jahren schrieb Amodei, dass er gegenüber der Idee aufgeschlossen sei, dass KI-Systeme in nur fünf bis zehn Jahren tausend Jahre Fortschritt in der Biologie hervorbringen könnten. Im August erklärte er auf X, dass „Anthropic seine Anstrengungen in Biologie und Medizin sehr schnell ausbaut“. Im selben Beitrag prognostizierte er, dass KI es in den nächsten fünf bis zehn Jahren ermöglichen wird, die meisten menschlichen Krankheiten zu heilen, und versprach eine „Flut KI-beschleunigter Medikamente“. Das Unternehmen bewarb im September auch die Entdeckung eines „Crispr-ähnlichen“ Enzyms durch Claude.

Während das neue IPO-Dokument weiterhin die Fähigkeit der KI anpreist, „das Fortschrittstempo in Biologie und Medizin grundlegend zu beschleunigen“ und „Jahrzehnte wissenschaftlichen Fortschritts auf Jahre zu verdichten“, hält es sich zurück, wie das Potenzial in die Realität umgesetzt werden soll.

Das Unternehmen erklärt, dass seine Teams „praktische Erfahrung in wissenschaftlicher Forschung und Arzneimittelforschung benötigen“ und dass seine Aktivitäten in den Lebenswissenschaften erfordern werden, „sich mit Tätigkeiten außerhalb unserer bisherigen Erfahrung als Software- und Forschungsorganisation zu befassen“. Dazu gehören der Umgang mit potenziell gefährlichen Materialien, die Bedienung von Laborausstattung und die Einhaltung zahlreicher Vorschriften.

Anthropic dämpfte auch seine Sprache zur Enzymentdeckung und erklärte, diese habe unter Umständen „das Potenzial, zu einem neuartigen biotechnologischen Werkzeug entwickelt zu werden, vielleicht für Genediting“. (Kursivsetzung zur Betonung.) Forscher hatten gegenüber WIRED zuvor ihre Skepsis hinsichtlich des Werts und der Nützlichkeit der Enzymentdeckung geäußert, und ein Wissenschaftler, der genau diese Enzyme untersucht hatte, wurde misstrauisch, dass Claude seine Forschung verwendet hatte. (Das Unternehmen erklärte, weder sein Modell noch sein Team für Molekularbiologie hätten Zugriff auf dieses Material gehabt.)

Das IPO-Dokument zeigt, dass Anthropic sich nicht mehr ausschließlich als externer Anbieter von KI-Tools für die Biotech-Branche sieht; es betrachtet biotechnologische Entdeckungen als einen Kernbestandteil seines Geschäftsmodells. Und wie alle Biotech-Unternehmen steht es vor dem langen Zeithorizont der Arzneimittelentwicklung. Auch KI-gestützte Entdeckungen müssen noch im Reagenzglas erforscht werden, dann an Tieren und schließlich an Menschen. Selbst wenn KI dabei helfen könnte herauszufinden, welche neuen Medikamente oder Zielstrukturen beim Menschen wirken und welche eher wirkungslos sein werden, werden dennoch Jahre der Prüfung nötig sein, um deren Sicherheit und Wirksamkeit nachzuweisen.

Anthropic erkennt diese Herausforderungen in seinem Dokument an. „Sämtliche Arzneimittelkandidaten oder anderen Entdeckungen, die aus diesen Bemühungen hervorgehen, müssten die langwierigen, kostspieligen und unsicheren Entwicklungs- und Zulassungswege durchlaufen, die für die Branche der Lebenswissenschaften charakteristisch sind, und erwirtschaften möglicherweise nie Umsatz“, heißt es in dem Dokument. (Amodei wiederum sprach sich in seinem August-Beitrag auf X dafür aus, die Regulierung für die kommende Welle KI-generierter Medikamente zu vereinfachen.)

Unterlagen bei der US-Börsenaufsicht SEC sind in der Regel vorsichtiger als Äußerungen von Unternehmen oder ihren Führungskräften, angesichts der rechtlichen Risiken übertriebener Aussagen gegenüber potenziellen Investoren. Aus dem IPO geht dennoch klar hervor, dass das Unternehmen davon überzeugt ist, dass seine Technologie revolutionäre Fortschritte antreiben wird.

Doch wenn Anthropic sich weiter in die biologische Forschung vorwagt, wird es dasselbe Dilemma wie andere Biotech-Unternehmen face: die Bewährung in klinischen Studien, die sich nicht allein durch das Hinzufügen von Computern beschleunigen lassen.

Automatisch übersetzt. Das Original auf Englisch ist unten aufklappbar.

Original (Englisch) anzeigen

Photo-Illustration: Wired Staff; Getty Images Comment Loader Save Story Save this story Comment Loader Save Story Save this story AI giant Anthropic and CEO Dario Amodei have repeatedly claimed that the company’s models will revolutionize biology and drug discovery. But in its IPO filing Monday, Anthropic struck a humbler note, acknowledging its lack of experience in physical experimentation and the potential pitfalls of drug development. Wherever it’s going, it seems, it will take some time to get there.

Two years ago, Amodei wrote that he was “open” to the idea that AI systems could produce a thousand years of progress in biology in just five to 10 years. In August, he said on X that “Anthropic is ramping up its efforts very quickly in biology and medicine.” In the same post, he predicted that AI will make it possible to cure most human diseases in the next five to 10 years and promised a “deluge of AI-accelerated drugs.” The company also promoted the discovery of a “Crispr-like” enzyme by Claude in September.

While the new IPO filing still touts AI’s ability to “profoundly accelerate the rate of progress in biology and medicine” and compress “decades of scientific progress into years,” it’s reserved about how it will turn the potential into the actual.

The company says that its teams “need first-hand experience doing scientific research and drug discovery” and that its life sciences activities will require it “to engage in activities outside our historical experience as a software and research organization.” That includes handling potentially hazardous materials, operating laboratory equipment, and complying with a bevy of regulations.

Anthropic also toned down its language about its enzyme discovery, saying it “ might have the potential to be developed into a novel biotechnology tool, perhaps for gene editing.” (Italics added for emphasis.) Researchers previously told WIRED they were skeptical of the enzyme discovery’s value and utility, and one scientist who had been studying these exact enzymes became suspicious that Claude used his research. (The company said neither its model nor its molecular biology team would have had access to this material.)

The IPO filing indicates that Anthropic no longer sees itself solely as an outside provider of AI tools to the biotech industry; it sees biotech discovery as a core part of its business model. And like all biotech companies, it faces the long timeline of drug development. Any AI-assisted discoveries still have to be researched in a test tube, then in animals, and eventually in people. Even if AI could help sort out which new drugs or targets will work in humans versus those likely to be duds, it will still take years of testing to prove their safety and efficacy.

Anthropic recognizes these challenges in its filing. “Any drug candidates or other discoveries resulting from these efforts would face the lengthy, costly, and uncertain development and regulatory pathways characteristic of the life sciences industry, and may never generate revenue,” the filing says. (For his part, Amodei made the case in his August X post for streamlining regulations for the coming wave of AI-generated drugs.)

US Security and Exchange Commission filings are generally more cautious than statements made by companies or their executives given the legal risks of overstating claims to would-be investors. And the IPO makes clear that the company believes its technology will drive revolutionary advancements.

But as Anthropic pushes further into biological discovery, it will face the same conundrum as other biotech companies: proving their worth in trials that can’t be hastened simply by adding computers.

Originaltitel: Anthropic Says It Will Revolutionize Biology—Some DayQuelle: Wired (Wired). Original öffnen